Stress und mentale Belastung im Büro: Was wirklich in deinem Gehirn passiert

21.02.2026

7 mins

OURDAY TEAM | 7 Min. Lesezeit | Brain Health

Es ist 14:23 Uhr. Du starrst auf denselben Absatz, den du schon dreimal gelesen hast. Das Meeting in einer Stunde fühlt sich wie ein Berg an. Noch ein Kaffee — aber irgendwie hilft er heute nicht mehr. Dieses Gefühl ist nicht Schwäche. Es ist Biologie.

Stress und mentale Erschöpfung am Arbeitsplatz sind längst zu einem der grössten Gesundheitsprobleme unserer Zeit geworden. Und doch behandeln wir sie oft wie ein persönliches Versagen. Dabei zeigt die Forschung sehr klar: Was du am Nachmittag erlebst, ist eine physiologische Realität, keine Charakterfrage.

Die Zahlen

Laut dem Schweizer Job Stress Index 2022 kostet arbeitsbezogener Stress die Schweizer Wirtschaft rund CHF 6,5 Milliarden pro Jahr — davon entfallen CHF 5 Milliarden auf Präsentismus: Menschen erscheinen zur Arbeit, sind aber nicht voll leistungsfähig. 44 % der Schweizer Arbeitnehmer berichten von regelmässigem Stress. Im DACH-Raum sind rund 20 Millionen Knowledge Worker täglich kognitiven Höchstanforderungen ausgesetzt, ohne dass ihre Arbeitsumgebung Rücksicht auf biologische Grenzen nimmt.

Der circadiane Einbruch

Fast jeder kennt das Mittagstief — die wenigsten wissen, dass es sich um einen fest verdrahteten Mechanismus unserer inneren Uhr handelt. Der circadiane Rhythmus erzeugt täglich einen natürlichen Leistungseinbruch zwischen 13 und 15 Uhr: Die Körpertemperatur sinkt minimal, kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit nimmt messbar ab. Monk (2005) dokumentierte diesen "Post-Lunch Dip" als Phänomen, das vollständig unabhängig von der Nahrungsaufnahme auftritt — auch bei ausgeschlafenen, gesunden Erwachsenen.¹ Das Problem: Meetings und Deadlines nehmen keine Rücksicht auf diese Biologie.

Was Stress biochemisch bedeutet

Bei Stress schüttet dein Körper Cortisol aus — kurzfristig funktional, langfristig schädlich. Chronisch erhöhtes Cortisol schädigt den Hippocampus, vermindert Planungsfähigkeit und triggert Entzündungsprozesse, die als "Inflammaging" bekannt sind. Lovallo et al. (2006) zeigten, dass eine zweite Tasse Kaffee am Nachmittag den Cortisolspiegel bis in den Abend erhöht hält und die Schlafqualität messbar verschlechtert.² Wer schlechter schläft, greift am nächsten Morgen früher zum Kaffee — der Kreislauf verstärkt sich selbst.

Dazu kommt ein zweites Problem: Jede Denkleistung kostet ATP — das universelle Energiemolekül deiner Zellen. Bei anhaltender kognitiver Belastung leert sich der ATP-Speicher in den Gehirnzellen schneller als er aufgefüllt werden kann. Das Ergebnis kennt jeder: langsames Denken, fehlende Kreativität, das Gefühl, nicht mehr klar denken zu können.

Was die Wissenschaft empfiehlt

Eine systematische Übersicht mit 16 RCTs (2024) zeigte, dass Kreatin-Monohydrat signifikante positive Effekte auf Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit hat — insbesondere bei kognitiver Belastung. Die Wirkung basiert auf der direkten Unterstützung des zerebralen ATP-Recyclings.³ Kreatin, das viele nur aus dem Fitnessstudio kennen, wirkt also auch im Gehirn.

Nicht weniger relevant ist die Kombination aus L-Theanin und Koffein. Reston & Bryan (2010) zeigten, dass diese Paarung — in Matcha von Natur aus vorhanden — besseres Arbeitsgedächtnis und schnellere Reaktionszeiten bewirkt, bei gleichzeitig deutlich reduzierter Nervosität verglichen mit Koffein allein.⁴ Ergänzt wird das durch Magnesium, das an über 300 enzymatischen Prozessen beteiligt ist, darunter die Regulation des Nervensystems und die Cortisol-Kontrolle — und dessen Spiegel chronischer Stress nachweislich senkt.

Fazit

Mentale Erschöpfung am Arbeitsplatz ist kein individuelles Versagen. Sie ist die logische Konsequenz einer Arbeitswelt, die biologische Realitäten ignoriert — und von Bewältigungsstrategien, die kurzfristig helfen und langfristig schaden. Der erste Schritt ist, den Unterschied zu kennen: zwischen Stimulanzien, die dein System überlasten, und Nährstoffen, die dein Gehirn tatsächlich unterstützen. Dein Gehirn ist dein wichtigstes Werkzeug. Es verdient eine fundierte Strategie — keine Notfallplaster um 14 Uhr.

Quellen

¹ Monk, T.H. (2005). The post-lunch dip in performance. Clin Sports Med, 24(2):e15-23. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15892914/

² Lovallo, W.R. et al. (2006). Caffeine Stimulation of Cortisol Secretion. Psychosom Med, 68(3):369-376. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16204431/

³ Avgerinos, K.I. et al. (2024). Effects of creatine supplementation on cognitive function. Systematic Review, 16 RCTs. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39070254/

⁴ Reston, C., Bryan, J. (2010). The combined effects of L-theanine and caffeine on cognitive performance. Nutritional Neuroscience. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0271531724001684

⁵ Gesundheitsförderung Schweiz (2022). Job Stress Index 2022. https://gesundheitsfoerderung.ch

OURDAY TEAM | 7 Min. Lesezeit | Brain Health

Es ist 14:23 Uhr. Du starrst auf denselben Absatz, den du schon dreimal gelesen hast. Das Meeting in einer Stunde fühlt sich wie ein Berg an. Noch ein Kaffee — aber irgendwie hilft er heute nicht mehr. Dieses Gefühl ist nicht Schwäche. Es ist Biologie.

Stress und mentale Erschöpfung am Arbeitsplatz sind längst zu einem der grössten Gesundheitsprobleme unserer Zeit geworden. Und doch behandeln wir sie oft wie ein persönliches Versagen. Dabei zeigt die Forschung sehr klar: Was du am Nachmittag erlebst, ist eine physiologische Realität, keine Charakterfrage.

Die Zahlen

Laut dem Schweizer Job Stress Index 2022 kostet arbeitsbezogener Stress die Schweizer Wirtschaft rund CHF 6,5 Milliarden pro Jahr — davon entfallen CHF 5 Milliarden auf Präsentismus: Menschen erscheinen zur Arbeit, sind aber nicht voll leistungsfähig. 44 % der Schweizer Arbeitnehmer berichten von regelmässigem Stress. Im DACH-Raum sind rund 20 Millionen Knowledge Worker täglich kognitiven Höchstanforderungen ausgesetzt, ohne dass ihre Arbeitsumgebung Rücksicht auf biologische Grenzen nimmt.

Der circadiane Einbruch

Fast jeder kennt das Mittagstief — die wenigsten wissen, dass es sich um einen fest verdrahteten Mechanismus unserer inneren Uhr handelt. Der circadiane Rhythmus erzeugt täglich einen natürlichen Leistungseinbruch zwischen 13 und 15 Uhr: Die Körpertemperatur sinkt minimal, kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit nimmt messbar ab. Monk (2005) dokumentierte diesen "Post-Lunch Dip" als Phänomen, das vollständig unabhängig von der Nahrungsaufnahme auftritt — auch bei ausgeschlafenen, gesunden Erwachsenen.¹ Das Problem: Meetings und Deadlines nehmen keine Rücksicht auf diese Biologie.

Was Stress biochemisch bedeutet

Bei Stress schüttet dein Körper Cortisol aus — kurzfristig funktional, langfristig schädlich. Chronisch erhöhtes Cortisol schädigt den Hippocampus, vermindert Planungsfähigkeit und triggert Entzündungsprozesse, die als "Inflammaging" bekannt sind. Lovallo et al. (2006) zeigten, dass eine zweite Tasse Kaffee am Nachmittag den Cortisolspiegel bis in den Abend erhöht hält und die Schlafqualität messbar verschlechtert.² Wer schlechter schläft, greift am nächsten Morgen früher zum Kaffee — der Kreislauf verstärkt sich selbst.

Dazu kommt ein zweites Problem: Jede Denkleistung kostet ATP — das universelle Energiemolekül deiner Zellen. Bei anhaltender kognitiver Belastung leert sich der ATP-Speicher in den Gehirnzellen schneller als er aufgefüllt werden kann. Das Ergebnis kennt jeder: langsames Denken, fehlende Kreativität, das Gefühl, nicht mehr klar denken zu können.

Was die Wissenschaft empfiehlt

Eine systematische Übersicht mit 16 RCTs (2024) zeigte, dass Kreatin-Monohydrat signifikante positive Effekte auf Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit hat — insbesondere bei kognitiver Belastung. Die Wirkung basiert auf der direkten Unterstützung des zerebralen ATP-Recyclings.³ Kreatin, das viele nur aus dem Fitnessstudio kennen, wirkt also auch im Gehirn.

Nicht weniger relevant ist die Kombination aus L-Theanin und Koffein. Reston & Bryan (2010) zeigten, dass diese Paarung — in Matcha von Natur aus vorhanden — besseres Arbeitsgedächtnis und schnellere Reaktionszeiten bewirkt, bei gleichzeitig deutlich reduzierter Nervosität verglichen mit Koffein allein.⁴ Ergänzt wird das durch Magnesium, das an über 300 enzymatischen Prozessen beteiligt ist, darunter die Regulation des Nervensystems und die Cortisol-Kontrolle — und dessen Spiegel chronischer Stress nachweislich senkt.

Fazit

Mentale Erschöpfung am Arbeitsplatz ist kein individuelles Versagen. Sie ist die logische Konsequenz einer Arbeitswelt, die biologische Realitäten ignoriert — und von Bewältigungsstrategien, die kurzfristig helfen und langfristig schaden. Der erste Schritt ist, den Unterschied zu kennen: zwischen Stimulanzien, die dein System überlasten, und Nährstoffen, die dein Gehirn tatsächlich unterstützen. Dein Gehirn ist dein wichtigstes Werkzeug. Es verdient eine fundierte Strategie — keine Notfallplaster um 14 Uhr.

Quellen

¹ Monk, T.H. (2005). The post-lunch dip in performance. Clin Sports Med, 24(2):e15-23. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15892914/

² Lovallo, W.R. et al. (2006). Caffeine Stimulation of Cortisol Secretion. Psychosom Med, 68(3):369-376. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16204431/

³ Avgerinos, K.I. et al. (2024). Effects of creatine supplementation on cognitive function. Systematic Review, 16 RCTs. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39070254/

⁴ Reston, C., Bryan, J. (2010). The combined effects of L-theanine and caffeine on cognitive performance. Nutritional Neuroscience. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0271531724001684

⁵ Gesundheitsförderung Schweiz (2022). Job Stress Index 2022. https://gesundheitsfoerderung.ch